Der Gender Care Gap

Das „Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung“ hat die bahnbrechende Entdeckung gemacht, dass sich Frauen im Durchschnitt mehr um die Betreuung der Familie kümmern als Männer. Dies wird nun sogar mit einer neu entwickelten Kennzahl, dem „Gender Care Gap“ messbar. Dazu titelt das Bundesfrauenministerium „Frauen leisten täglich 52,4% mehr unbezahlte Sorgearbeit“. Wie ungerecht!

Was steckt nun dahinter? Eine Studie hat herausgefunden, dass Frauen täglich 4:13h und Männer nur 2:46h in unbezahlte Sorgearbeit investieren. Dazu zählen Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushalt und ehrenamtliche Tätigkeiten. Männer verbringen also statistisch täglich 1:27h weniger Zeit mit derartigen Tätigkeiten.

Nicht erwähnt wird allerdings, dass Frauen gleichzeitig weniger erwerbstätig sind. Während Männer durchschnittlich 39,6h arbeiten, sind es bei Frauen nur 30,3h. Legt man nun diese wöchentliche Arbeitszeit auf 7 Tage um, gehen Frauen durchschnittlich 1:20h weniger einer Erwerbstätigkeit nach. In Summe ist der Arbeitsaufwand also annähernd gleich.

In den Mittelpunkt wird dagegen gestellt, dass diese Tätigkeiten der Frauen unbezahlt sind. Das sind sie auch. Nur sollte man auch berücksichtigen, dass Väter ihr Geld grundsätzlich nicht alleine ausgeben, sondern zu einem erheblichen Teil für den Unterhalt der Kinder und ggf. auch der (Ex-)Frau aufwenden. Wer beispielsweise 2.000€ netto monatlich verdient, zahlt allein für zwei Kinder der mittleren Altersgruppe 674€ Unterhalt, also 1/3 seines Einkommens – Umgangskosten gehen extra. Ob das durch 1:27h mehr Betreuung am Tag vollständig ausgeglichen wird?

Viel sinnvoller wäre die Erhebung eines „Gender Custody Gap” als Kennzahl. In Deutschland wird nach wie vor nach Trennungen vorrangig das Residenzmodell angeordnet, bei dem das Kind nur noch bei einem Elternteil (meist der Mutter) leben muss und der andere (meist der Vater) vollständig für den Lebensunterhalt der Kinder aufzukommen hat. Selbst wenn eine Mutter nach der Trennung dem Vater Umgang mit den Kindern einräumt, ist das selten mehr als die halben Ferien und jedes zweite Wochenende, also etwa 25% der Zeit. Hier sollte man als erstes ansetzen und Vätern mehr Betreuung der Kinder ermöglichen. Dann könnten Mütter auch ihre Erwerbstätigkeit ausdehnen.

Der Gleichstellungsbericht sagt „Die vorherrschenden Sorgearrangements führen zu Nachteilen für Väter, für die es zum Teil schwer wird, sich um ihre Kinder zu kümmern und ausreichend Kontakt zu ihnen zu halten.“ Damit haben die Autoren natürlich Recht – entsprechende Handlungsempfehlungen oder eine angemessene Wahrnehmung dieses Themas durch die Politik fehlen allerdings noch. Dabei wäre es so einfach Elternteilen, die sich um ihre Kinder kümmern wollen, dies auch zu ermöglichen.

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