Fürchten Sie Väter, Frau Stauber?

Betr. Ihr Artikel in den Nürnberger Nachrichten / Ausgabe vom Mittwoch 10.05.2017

„Beim Genderkongress fürchtet man(n) Feministrinnen.“

 

Sehr geehrte Frau Stauber,

Sie haben mir und vielen anderen Männern das Herz gebrochen!

Es klingt antiquiert und wirkt damit ein wenig lächerlich, hat aber einen sehr ernsten Hintergrund.

 

Lassen Sie mich das mit Bezugnahme auf Ihren Artikel kurz erklären.

Mein Herz, und das von vielen Vätern, für die ich mich als 1.Vorsitzender des gemeinnützigen

Vereins Väter-Netzwerk e.V. engagiere, schlägt für unsere Töchter und Söhne und somit logischerweise für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen. Mitglieder des Väter-Netzwerks und anderen Organisationen, die Gast auf dem Genderkongress sein werden, sind deshalb glaubwürdig für gleiche Bezahlung der gleichen Arbeit, obwohl diese Forderung durch eigene Einbußen von den Arbeitgebern gegenfinanziert wird / werden muss. Die Mitglieder der meisten Organisationen sind auch für gleiche Karrierechancen der Frauen, die nur über eine bessere zeitliche Verfügbarkeit am Arbeitsplatz generiert werden kann. Damit dies möglich wird, sind viele Väter des Väter-Netzwerks und anderer Organisationen bereit, die Anwesenheit am eigenen Arbeitsplatz zu reduzieren, so die eigene Karriere zurückzustellen, und mit ihrem Rückzug den Frauen in der Arbeitswelt Platz zu machen.

Dafür begehren die Väter mehr häusliche Anteile. In Trennungssituationen bedeutet das mehr Umgang mit den eigenen Kindern. Dies wird ihnen aber flächendeckend über ganz Deutschland in großem Umfang verwehrt.

 

Unsere Auffassung ist:

  • Es kann nicht sein, dass der moderne Vater von heute Arbeitszeit zugunsten der Frau bereitwillig reduziert, sich zudem anbietet, für die Betreuung der eigenen Kinder breitzustehen (Elternzeit), dann aber durch den von der Mutter seiner Kinder gestellten Sorgerechtsantrag auf alleiniges Sorgerecht aus seinem stabilen Umfeld gekegelt wird.
  • Es kann nicht sein, dass dieser Vater dann, anders als die Frau, keinerlei öffentliche finanzielle Hilfe bekommt (Prozesskostenhilfe), nach seelischer und körperlicher häuslicher Gewalt durch die Frau kein Männerhaus aufsuchen kann, weil es das im Prinzip nicht gibt und zudem auch hier in Nürnberg prinzipiell verhindert wird, obwohl erheblicher Bedarf besteht.
  • Es kann nicht sein, dass der entsorgte Vater dann als seelisch gebrochener Mensch mit gerichtlicher Abstempelung zum Haupternährer deklariert wird, wieder Lohnsteuergruppe eins erhält und alle Verfahrenskosten zu tragen hat. (In der Regel ist das bei vollem Programm mit Anwälten, Gutachter, Verfahrensbeiständen usw. und zusätzlichem Ausflug ans OLG. oberhalb 15.000 Euro)
  • Es kann nicht sein, dass er obendrein ein neues Zuhause aufbauen und erwirtschaften muss, ein zweites Mal Hausrat, Kinderzimmervollausstattung etc. anschaffen muss und ihm die mangelnde Zeit für die Kinder, die er wegen seiner gesteigerten Obliegenheitspflicht hat, als Desinteresse an den Kindern und damit bezüglich der Betreuungszeiten nachteilig ausgelegt wird.

Wie viele geschwärzte Akten mit Fällen, in denen genau das passiert, darf ich Ihnen zur Einsicht ins Verlagshaus schicken?

Die hier aufgezeigten Defizite unseres Rechts sind nur die Spitze des Eisbergs, aber schon grausam genug, um Ihnen eine Fortsetzung meiner Schilderungen nicht weiter zuzumuten.

 

Mit Ihrem Artikel haben Sie zu alledem der als modern beschworenen Metropolregion Nürnberg einen Bärendienst erwiesen. Leider ist manch meinungsvorgeprägtem Journalisten, mit auf Vorrat geschriebenen Schubladenartikeln über die Männerbewegung, entgangen, dass sich in Nürnberg ein kleines Pflänzchen familienpolitischer Auseinandersetzungskultur entwickelt hat, das gänzlich anders ist als in anderen Städten. Hier in Nürnberg spricht „Mann“ miteinander, sogar in Ämtern. Recherchieren Sie doch mal bitte in diese Richtung und berichten Sie davon, wie es Ihre Aufgabe ist. Doch dieses männeruntypische Sprachverhalten ist manchen, die aus dem Genderstreit unaufhörlich Nektar ziehen wollen, ein Dorn im Auge. Und Sie als Wächter im Auftrag der Öffentlichkeit, sehen das nicht. Vielleicht hindert Sie bereits derselbe Dorn daran. Man(n) kann es vermuten.

Mit Ihrem Artikel haben Sie eine gute Gelegenheit versäumt, durch einfaches Schweigen und Zurückhaltung diesen Nürnberger Fortschritt zu fördern, auf den unzählige Kinder warten, die nichts natürlicheres erleben wollen, als einen unbelasteten und nichtreglementierten Umgang mit ihrem leiblichen Vater.

Auch wenn es manche Frauen für unmöglich und als verhinderungswürdig erachten, so ist es doch natürlich und gottlob die Regel, dass auch die Kinder von alleinerziehenden Müttern, ihren Vater als den tollsten Vater von allen sehen. Doch schon mit dem ersten Blick in Ihre Zeitung werden sie auf die Meinung konditioniert, wie unterhaltszahlungsresistent, fordernd, egoistisch und frauenfeindlich doch besonders engagierte Väter hierzulande sind. Diese Darstellung heizt die Genderdebatte immer und immer wieder an, ohne sie einen Schritt weiter zu bringen. Aber genau das könnte von einem am Kinderleid gewinnbeteiligten Klientel beabsichtigt sein. Und Sie bedienen dieses Klientel hörig und kritiklos, obwohl es gerade Ihre Gilde ist, die der Öffentlichkeit zur Wahrheit verpflichtet ist.

Der grundrechtlich geschützte Anspruch der Öffentlichkeit auf Wahrheit, ist Ihre Daseinsberechtigung. Mit anderen Worten, die Öffentlichkeit ist Ihr Souverän, und Ihre schlecht recherchierten Artikel laufen seinen Interessen entgegen.

Zu anderen Zeiten wäre das ein klassischer Fall von Hochverrat gewesen.

Doch soweit möchte ich mit meinem Vorwurf nicht gehen, denn Sie, Frau Stauber, sind, mit Verlaub, in einem Alter, in dem Sie als Mutter von zwei Kindern schon Enkelkinder haben können. Erinnern Sie sich an den allerersten Moment, in dem Sie Ihren Nachfahren auf den Arm genommen haben?

Können Sie sich vorstellen, wie vielen Großeltern in dem reichen und ach so menschlichen Deutschland dieser Moment durch Gerichtsentscheidungen bis zum Lebensende vorenthalten wird.

Was auch immer Sie jetzt denken und laut vor sich hersagen, Ihr Artikel beweist, Sie können es nicht.

Dass wir in unseren Reihen auch Verzweifelte haben, die aus persönlicher, extremer Betroffenheit, also nachvollziehbar, verbal über ein maßvolles Ziel hinausschießen, ist uns selber bewusst. Doch mit welchen anderen Mitteln, als durch verständnisvolles Aufeinanderzugehen in Gesprächen und Verhandlungen, würden Sie einen über Jahre befeuerten Konflikt löschen?

Der Genderkongress gibt Raum, die Argumente zu versachlichen, zu bündeln und zu einer Stimme zusammenzuführen. Dieses Ziel wird auf dem Genderkongress mit der beabsichtigten Gründung eines Bundesverbandes verfolgt.

Dafür muss der Genderkongressausrichter viel Überzeugungsarbeit durch Erkenntnisverbreitung leisten. Doch mit der Erkenntnis ist es so, wie mit einer Hautcreme. In dem Moment, wo eine Erkenntnis gewonnen wird, also die Hautcreme aufgetragen ist, kann sie noch keine Wirkung entfalten. Dazu muss sie erst in tiefere Hautschichten einziehen. Ein Prozess den wir als Väter-Netzwerk e.V. auf dem Genderkongress voranbringen möchten. Der in Ihrem Artikel geäußerten Vermutung, dass die Verbände verbrannte Erde hinterließen, stellen wir die Vermutung entgegen, ob durch die jahrzehntelange Gesprächs- und Erkenntnisverweigerung der Verantwortlichen, der Flächenbrand nicht erst entstanden ist. Insofern macht der Genderkongress mit seinem Löschversuch wieder einmal die Arbeit der Verursacher, von denen nun aufgrund der von Ihnen verbreiteten schlechten Publicity viele etwas feige fernbleiben.

Inwieweit Sie, Frau Stauder, uns zukünftig in unserem Lösch- und Befriedungsversuch unterstützen möchten/können/dürfen, überlasse ich hoffnungsvoll der gleichen Kreativität, die Ihnen zu Ihrem Artikel vom Mittwoch verholfen hat.

Als frei gewählter Vorsitzender des Vereins Väter-Netzwerk e.V. bin ich meinen Mitgliedern Rechenschaft über mein Tun und Lassen schuldig. Da Ihr Artikel den Verein respektive jedes einzelne Mitglied öffentlich und grundlos durch Ihre bewusste Verschmelzung mit extremen jedoch von uns nicht geteilten Ansichten diskreditiert hat, wird dieses, in weiten Teilen sehr persönliche Schreiben, dennoch in Kopie auch an alle Mitglieder und Unterstützer des Väter-Netzwerks e.V. verbreitet. Dies schließt die Veröffentlichung auf unserer Web- und Facebook-Seite, sowie die Weitergabe an die Verantwortlichen der teilnehmenden Organisationen und ihre Mitglieder ein. Ob Sie ihrerseits mein Schreiben Ihrem Vorgesetzten und anderen Verantwortlichen zur Meinungsfindung weiterleiten, steht Ihnen damit frei.

Lernen wir uns am Genderkongress kennen?

Sein Sie versichert, dass sich dort entgegen Ihrer Überschrift nieman(n)d vor Feministinnen, noch vor Ihnen, fürchtet, denn auch diese sind Töchter von Vätern.

Sein Sie uns willkommen!

Mit freundlichen Grüßen

 

Jörg Langanke

Erster Vorsitzender Väter-Netzwerk e.V.

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