Loyalitätskonflikte vermeiden – Gastbeitrag von Hans-Joachim Steiner

Hans-Joachim Steiner, Diplom Psychologe und Mediator aus Erding, ist seit Jahren im Bereich Paarberatung sowie Mediation bei Trennung und Scheidung erfolgreich tätig. Über seine Erfahrungen mit Loyalitätskonflikten von Kindern nach einer Trennung und wie sich derartige Belastungen der Kinder verringern lassen, schrieb er eine Gastbeitrag für das Väter-Netzwerk:

Auch in (scheinbar) guten postehelichen Beziehungen schwingen unterschwellig negative Aspekte mit, und selbst, wenn man glaubt, diese perfekt zu kaschieren, dringt gelegentlich mal was zum Kind durch. Dazu kommt, dass das Kind eine Situation wie bei getrennten Eltern nicht kennt und nicht in seine Welt einbauen kann. Es glaubt, sich entscheiden zu MÜSSEN. Da die Mutter aus Sicht des Kindes die „Schwächere“ zu sein scheint, will das Kind also der Mutter beispringen, indem es der Mutter durch die Umgangsverweigerung mit dem KV zeigen will: „Schau, ich bleib fest bei Dir – der Papi ist weg, aber ICH bleib da“
Das ist auch gar nicht bös gemeint, hat aber den fatalen Effekt, dass in falsch verstandener Rücksicht auf das Kind dieses in eine Entfremdungssituation rutscht, aus der es nicht mehr heraus kommt. Der Papi (das weiß das Kind ja) ist nun traurig oder böse. Daran fühlt sich das Kind schuldig, aber wie soll es das lösen? Wenn es nun – für das Kind kaum lösbar – dem Papi das erklären soll? Mit welchen Worten? Und wie, ohne die Mami zu treffen?

Das nennt man klassisch einen Loyalitätskonflikt und die allgemein dann in falscher Einschätzung folgende „Schonungs“-Reaktion verstärkt dies noch. Das Kind entfremdet sich immer mehr, es wird immer mehr negative Aspekte im Papi suchen und finden, um seine Entscheidung vor sich zu rechtfertigen. 

Wie man bei „erzwungenem Umgang“ dann feststellt, ist es in fast allen Fällen so, dass die Übergabe u.U. tränenreich ist, aber schon wenige Minuten später das Kind lieb zum Papi ist. Und wenn der Umgang mehrere Tage geht, dann hat man erst einmal einen (völlig normalen) Akklimatisationszeitraum, bei dem das Kind sich umgewöhnt (von der Mami-Art zur Papi-Art), und dann ist alles wieder gut.

Es ist wichtig, dem Kind mit größtmöglicher Selbstverständlichkeit klarzumachen, dass Papi und Mami es beide lieb haben und vor Allem, dass keine böse oder traurig ist, wenn das Kind beim jeweils Anderen ist (das ist der größte Fehler, dies nicht eindeutig zu machen, Viele liefern durch ein falsches Wort dem Kind die Legitimation und weiteren Grund zur Unsicherheit!)

Leider herrscht zu diesem Thema eine sehr, sehr große Fehleinschätzung vor, und in den meisten Fällen führt dies aus zunächst ungewollter Distanzierung zu zunehmender Entfremdung. Der Vater will da gegensteuern, zumal die „Helferindustrie“ sich mit falschem subjektivem Kindswohlbegriff gerne einschaltet – das arme Kind muss nun therapiert und – oft über Jahre, wenn überhaupt – dem Vater wieder „zugeführt“ werden! Siehe dazu http://www.kimiss.uni-tuebingen.de/index.html

Es ist für die Eltern notwendig, diese unselige Dynamik sofort zu erkennen und dem Kind diesen Loyalitätskonflikt durch eine klare Direktive zu ersparen.

Wenn das Kind auf zu dünnes Eis gerät, wird man ja auch nicht versuchen, das Kind „nicht zu zwingen, nicht aufs Eis zu gehen“ oder?
Erziehung muss auch gelegentlich direktiv und durchsetzungsfähig sein – damit schadet man dem Kind nicht, im Gegenteil! Wem es gelingt, dem Kind klar zu vermitteln, dass es BEIDE lieben darf, OHNE Pseudo-Empathie-Geseufze, der rettet Vieles in der postehelichen Elternschaft für sich und auch vor Allem das Kind!

Wer mehr über Hans-Joachim Steiner erfahren möchte, kann sich hier informieren:

www.psychologe-erding.de

Beitragsbild: (c) Hans-Joachim Steiner, alle Rechte vorbehalten

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