Schöne Weihnachten für alle!

Liebe Väter,

Weihnachten steht nicht nur vor der Tür, es ist da!
Für stolze Familienväter ist Heiligabend traditionell etwas besonderes, der somit Vorfreude, Hoffnungen und auch Erwartungen mit sich bringt.

Leider ist jedoch bei einer wachsenden Zahl Vätern das familiäre weihnachtliche Miteinander zusammen mit den leiblichen Kindern irgendwann verloren gegangen. Für manche von uns Netzwerkvätern wird es in diesem Jahr das ersten Mal sein. Die Mehrheit jedoch ist in der Bewältigung eines kinderlosen Weihnachtsabends wider ihren Willens geübter.

So ein Abend gibt Raum für Erinnerungen.
In den elf Jahren des gemeinsamen Begehens des Heiligabends mit meinen Kindern, hatten wir Eltern das Prickeln des mystischen bis ins fortgeschrittene Kindesalter aufrecht erhalten, indem wir vor der abgesperrten Tür des Weihnachtszimmers zusammensaßen, Brettspiele spielten und auf das Glöckchen zur Bescherung warteten. Dieses Glöckchen läutete “zufällig” jedes Jahr dann, nachdem ich kurz zuvor die Spielrunde verlassen hatte, um auf die Toilette zu gehen. Bei diesem “unaufschiebbaren” Pflichtgang jedoch, hatte ich die Gelegenheit, über die Terrassentür ins Weihnachtszimmer “einzusteigen”, die Tür unhörbar zu entriegeln, sodann das Glöckchen zu läuten um anschließend auf gleichem Wege zur geselligen Runde zurückzueilen. Die im Moment meines Läutens von den Kindern heraus geschriene Begeisterung und Vorfreude fuhr mir jedes Jahr trotz der dazwischen liegenden, noch geschlossenen Tür durch Mark und Bein. Wenn es auf der Welt nur ein Weihnachtsgeschenk für mich gab, das ich mir selber machen konnte, dann war es dieser Moment.

Das gemeinsame Weihnachten gibt es nicht mehr.
Die Auslegung des Begriffs “Kindeswohl” hat gemäß den Gepflogenheiten der 50er Jahre (Kinder gehören zur Mutter), welche an dem für mich zuständigen Familiengericht immer noch vorherrschend sind, dazu geführt, dass mir trotz meines Amtes als Elternklassensprecher an der Schule meines vorübergehend bei mir lebenden Sohnes, das komplette Sorgerecht genommen und alleinig der Mutter zugesprochen wurde.
Insofern ist es selbst erklärend, wenn ich hier schreibe, dass auch ich dieses Jahr Weihnachten ohne meine Kinder feiere (feiern muss), entgegen meinen Wunsch und Willen.

Der Volksmund sagt: “Das wertvollste Geschenk, das man einem anderen Menschen bereiten kann, ist die eigene Lebenszeit“, und meint damit die Zeit für Gemeinsamkeit.
Auch dieses Jahr werden wohl wieder viele Väter keinen kindlichen Abnehmer für ihre Zeitgeschenke haben.

Wenn wir Väter, die wir uns im Väter-Netzwerk e.V. zusammengeschlossen haben, weil wir Väter von ganzem Herzen sein und leben wollen, den Schmerz des kinderlosen Weihnachtenfeierns miteinander teilen, dann ist dies allenfalls ein wohltuender Trost, jedoch niemals ein Ersatz.

Deshalb sind meine Gedanken heute Abend bei euch. Sie sind gefüllt mit Hoffnungen, guten Wünschen und der Zuversicht, dass unser Verein und seine vielen Unterstützer es irgendwann und doch zeitnah schaffen, einem jeden von euch den Herzenswunsch eines gemeinschaftlichen Weihnachten mit euren Kindern zu ermöglichen.

Mein Dank gilt all jenen, die sich dafür einsetzen. Seien Sie beschützt und behütet und mit Gesundheit gesegnet, als Lohn für ihren Einsatz für ein gutes, nur allzu menschliches Ziel.
Mein Dank geht auch an all jene Richter der Familiengerichte, die dieses Jahr den Mut hatten, sich bei ihren Entscheidungen von ihrem Herzen, ihrem Gefühl, ihrer Menschenkenntnis, und dem Gebot der Menschlichkeit leiten zulassen und sich nicht in das Korsett des juristischen Mainstreams einer Vergangenheit haben pressen lassen.

Mein Dank gilt der Familienministerin Barley und ihrem Unterstützerteam für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, die Verkrustung einer tiefen gesellschaftlichen Wunde aufzubrechen, um an den Entzündungsherd heranzugehen, ihn freizulegen und um ihn hoffentlich bald zu beseitigen.

Niemand hätte vor einem Jahr geglaubt, dass es für eine an unserer Gesamtbevölkerung gemessenen Randgruppe die “Ehe für alle” geben wird.

Mein Hoffnung ist, dass es bereits in 2018 für die noch viel größere Randgruppe der ausgegrenzten Väter das …

… “schöne Weihnachten für alle” gibt.

Mit vielen lieben Grüßen

Jörg Langanke
1.Vorstand Väter-Netzwerk e.V.
André Roßnagel
2. Vorstand Väter-Netzwerk e.V.

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