Väter und Lesen – Was wir aus der IGLU Studie lernen können

Am 5.12.2017 wurden die Ergebnisse der die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 veröffentlicht. Dabei werden die Lesekompetenzen von Grundschülern erfasst und international verglichen. Deutschland liegt, anders als früher, nur noch im Mittelfeld was die Lesekompetenz der Grundschüler angeht. Die Lesekompetenz hat sich zwar in Deutschland insgesamt leicht verbessert, andere Länder erzielten jedoch weitaus größere Fortschritte, so dass Deutschland im internationalen Vergleich zurückfällt.

Nur in wenigen Ländern weltweit ist die Lesekompetenz eines Kindes so stark vom Elternhaus abhängig. Neben dem allgemeinen Bildungsniveau spielt dabei insbesondere die Vorbildfunktion der Eltern eine Rolle.

In der Studie der Stiftung Lesen zum „Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend“ (Tullius 2001) zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind zu einem Vielleser wird, größer als 50% ist, wenn BEIDE Elternteile Vielleser sind. Nur 6% der Kinder aus solchen Elternhäusern sind „Kaumleser“. Haben darüber hinaus beide Eltern studiert, sinkt der Anteil der „Kaumleser“ auf 0%. Dagegen werden Kindern zu 18% „Kaumleser“ wenn nur die Mutter viel liest und zu 25% wenn nur der Vater viel liest.

Mütter und Väter haben also einen wesentlichen Anteil daran, wie sich das Leseverhalten der Kinder entwickelt. Dabei spielt die Vorbildwirkung beider Elternteile eine bedeutende Rolle. Ist ein Elternteil nicht als Lesevorbild präsent, werden dem Kind wichtige Ressourcen entzogen, die für seine Entwicklung von erheblicherer Bedeutung sind. Selbst wenn ein Elternteil, meist der Vater, besonders stark beruflich eingebunden ist, kann diese Vorbild Funktion z.B. durch regelmäßiges Vorlesen einer Gutenachtgeschichte ausgeübt werden. Natürlich gibt es auch viele andere Gelegenheiten, die genutzt werden können und auch sollten.

Gerade Trennungen bedeuten für Kinder einen erheblichen Bruch im Kontakt zu einem Elternteil. Meist ist es der Vater, der abrupt aus dem Leben des Kindes entfernt wird. Grund dafür ist zum großen Teil die nach wie vor unbefriedigende Gesetzeslage in Deutschland. Ein Kind muss danach nahezu grundsätzlich ohne Einzelfallprüfung überwiegend bei einem Elternteil leben, meist der Mutter – unabhängig davon, ob das Kind eine enge Bindung zu beiden Elternteilen hat. Der andere Elternteil bekommt in der Regel nur ein geringes Besuchsrecht zugesprochen, das zudem wenn es vom betreuenden Elternteil verweigert wird, kaum durchsetzbar ist. Die aus der Abwesenheit resultierende fehlende Unterstützung eines Elternteils, meist des Vaters, wirkt sich dann negativ auf die Entwicklung des Kindes aus.

Väter in Trennungssituationen sollten sich über ihre enorme Bedeutung für die Entwicklung des Kindes bewusst sein und sich weiterhin um engen Kontakt zu ihrem Kind bemühen. Leider ist es ein weit verbreitetes Phänomen, dass Mütter den getrennt lebenden Vätern die Kinder vorenthalten, bzw. den Kontakt erschweren. Hier ist Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft und vor allem den agierenden Müttern erforderlich, damit ihnen klar wird, was sie ihren Kindern antun. Wenn das gelingt, werden unsere Kinder künftig im IGLU Test auch besser abschneiden und nicht nur da.

 

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