Marcus Weinberg: Die verlorene Zeit gibt einem keiner zurück

Foto: Romy Oberender

„Zeit ist die wichtigste Zukunftsresource.“ antwortet Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU im Bundestag, auf die Frage der EMOTION wie er denn Politik und Familie vereinbaren könne. Gemeint ist damit, Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Marcus Weinberg hat für sich selbst erkannt, dass gemeinsame Zeit mit dem Kind enorm wichtig ist. „Wenn Zeit knapp ist, muss alles noch intensiver gelebt werden.“ sagt er.

Diese Situation kennen vor allem Trennungsväter nur zu gut. Anders als bei Herrn Weinberg, der auch mal seine Termine verschieben kann, wofür man „mittlerweile auch in der Politik immer mehr Verständnis“ hat, gibt es für Trennungsväter, die mehr Zeit mit Ihren Kindern verbringen wollen kein Verständnis – weder von den Gerichten, die immer noch davon ausgehen, dass wenn ein Elternteil das Kind allein betreuen will, der andere sich mit einem 14tägigen Wochenendbesuch zufrieden zu geben hat, noch von der Politik, die an dieser unsäglichen Situation offensichtlich nichts ändern will.

Niemand stellt die Frage, ob es für den Sohn von Herrn Weinberg gut ist, wenn er ihn von der Schule abholt, genauso wie das bei Millionen anderer Väter der Fall ist, die noch mit der Mutter des Kindes zusammen leben. Nein, dieses Verhalten wird ganz selbstverständlich an modernen Vätern geschätzt, ja geradezu von ihnen eingefordert, und das ist auch gut so.

Diese Selbstverständlichkeit findet allerdings ein jähes Ende, wenn die Beziehung von Vater und Mutter zerbricht. Nicht selten versucht dann ein Elternteil den anderen aus dem Leben des gemeinsamen Kindes zu entfernen – bis an die Grenzen des gesetzlich Zulässigen und teilweise darüber hinaus . Die Antwort der Politik ist, dass immer erst im Einzelfall geprüft werden muss, ob der Kontakt des Kindes zum anderen Elternteil tatsächlich dem Kindeswohl entspricht. Ob der Kontakt eines Kindes mit beiden Eltern positiv gesehen wird, hängt also primär vom Beziehungsstatus von Vaters und Mutter und bei getrennten Paaren noch mehr von der subjektiven Einstellung des betreuenden Elternteils (meist der Mutter) zum getrennt lebenden Elternteil (meist dem Vater) ab. Bei einer solchen Betrachtung steht nicht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt, sondern einzig und allein das Befinden des Elternteils, bei dem das Kind seinen Hauptwohnsitz hat.

Herr Weinberg, wir wünschen uns, Politiker die bemerken, dass auch Trennungsväter Menschen sind, die gern ihre Kinder beim Aufwachsen begleiten möchten. Dafür ist die Qualität des Kontaktes wichtig aber auch die Dauer. Wie sagten Sie so schön? „Die verlorene Zeit gibt einem keiner zurück.“ Recht haben Sie! Das gilt jedoch genauso für Trennungsväter und deren Kinder.

Herr Weinberg, Trennungsväter und ihre Kinder brauchen mehr gemeinsame Zeit!

 

Das Interview mit Marcus Weinberg finden Sie hier.

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