Burnoutgefahr – Die besondere Situation von Trennungsvätern

Autor: Olaf Lemgen

Was sind noch normale Stress-Symptome? Habe ich noch die Kontrolle über meine aktuelle Situation? Erhole ich mich schnell wieder nach der stressigen aktuellen Phase? Brauche ich Hilfe und was kann das überhaupt bewirken?

Aufkommende Burnout Anzeichen werden häufig viel zu lange ignoriert. Die erste Reaktion ist normalerweise noch mehr Anstrengung, um die besonderen Anforderungen zu bewältigen. Selten erreicht man damit wieder normales “Fahrwasser” – im Gegenteil.

Wer ist gefährdet?

Früher sagte man, Burnout sei eher ein Thema in „helfenden“ Berufen. Aber das ist Quatsch. Burnout kann prinzipiell jeden treffen: vom Schüler bis zum Rentner.

Dabei spielt weniger das Geschlecht sondern mehr das Alter eine Rolle. Menschen zwischen 40 und 55 Jahren sind besonders oft betroffen. Also eben auch die Altersgruppe, in der sich Trennungsväter häufig befinden.


Warum aber diese Altersgruppe?

Es liegt wohl an der Kumulation von Faktoren, die besonders im „mittleren Alter“ zuschlägt:

  • Gestiegene Verantwortung im Beruf. Die ersten Karriere-Jahre sind geschafft – häufig ist man jetzt bereits in verantwortungsvolleren Positionen.
  • Probleme mit den Kindern. Kinder kommen in die Pubertät, schulische Probleme, soziale Probleme der Kinder, bei denen die Eltern nicht mehr helfen können oder sollen, …
  • Nicht nur der Beginn einer Beziehung mit Kindern kann eine Herausforderung für die Beziehung sein, sondern auch das langsame selbständig werden der Kinder. Während die Kinder klein sind, stehen diese im Fokus. Langsam aber gerät die Partnerschaft wieder in den Mittelpunkt. Wenn die Partner hier nichts mehr mit sich anzufangen wissen, weil gemeinsame Interessen, Freunde und Entwicklung vernachlässigt wurden, ist das häufig schwierig.
  • Die Pflege der eigenen Eltern kann in dem Alter bereits ein Thema sein und eine große Belastung darstellen, die mit sehr vielen Entscheidungen einhergeht.
  • Die persönliche Leistungsfähigkeit nimmt ab ca. 40 ab und erste körperliche Beschwerden treten auf. Das ist natürlich sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Aber es ist leider nicht zu übersehen, dass Regenerationsfähigkeit, Belastbarkeit, emotionale Schutzschicht etc. nachlassen.


Bei Trennungsvätern kommen weitere, besondere Faktoren dazu:

  • Die Trennung von ihren Kindern stellt für viele Trennungsväter, die es gewohnt waren den Alltag mit den Kindern zu teilen, eine enorme Belastung dar. Sie haben das Gefühl aus dem Leben ihrer Kinder ausgeschlossen zu werden und Angst den Kontakt ganz zu verlieren.
  • Soziale Kontakte und Bindungen gehen verloren. Häufig war das Privatleben durch die Frau organisiert und diese Kontakte gehen verloren, weil die Bindung zur Frau fester war als zu ihnen.
  • Ein neues soziales Netzwerk aufzubauen ist schwierig, da neben der Bewältigung des Jobs die Wochenenden jetzt benötigt werden, um den Kontakt zu den Kindern zu halten.
  • Wenn die Trennung nicht einvernehmlich verläuft, wird ggf. sehr viel Zeit für rechtliche Klärungen, Abstimmungen, Termine in Schulen und Institutionen usw. benötigt. Trotz enormer Anstrengungen erleben gerade Trennungsväter dabei viele Niederlagen, was zu Frust und Wut führt.
  • Finanzielle Engpässe und Verpflichtungen wie z.B. Unterhaltszahlungen verringern die Möglichkeiten, ggf. im Job etwas runter zu schalten und die Arbeitszeit z.B. auf 35 oder 30 Stunden zu reduzieren, um etwas mehr Freiraum zu schaffen.
  • Häufig wird in Trennungssituationen noch mehr gearbeitet, um sich abzulenken und die Stille nicht aushalten zu müssen. Das wiederum leert den persönlichen Akku, bringt Rhythmen der Erholung und des Schlafes durcheinander und die persönliche Leistungsfähigkeit geht noch stärker verloren.

So viel Veränderung und so viele ungeklärte Fragen führen zu einer hohen emotionalen Belastung. Diese arbeitet unbewusst ununterbrochen mit und beansprucht das innere System.

  • Dass in solchen unsicheren Situationen Angst entsteht, ist normal. Das kann eher eine diffuse Angst und Unsicherheit sein, bis hin zu Schlafstörungen, Angst den Job nicht mehr bewältigen zu können, Panikattacken und vieles mehr.


Persönliche Faktoren bei Burnout

Man sagt immer, dass es nicht die Ereignisse selber sind, die belasten, sondern die Art wie wir sie bewerten und damit umgehen. Leicht und schön gesagt! Nur leider kann man seine inneren Muster und Verhaltensweisen nur über den persönlichen Willen und Einsicht nicht so einfach ändern.

Wenn viele der folgenden Themen auf Sie zutreffen, sind Sie besonders gefährdet:

  • Sie sind begeisterungsfähig
  • Sie haben ein hohes Pflichtbewusstsein
  • Sie haben einen ausgeprägten Perfektionismus und/oder ein hoher Anspruch an die eigene Leistung
  • Sie können schlecht delegieren und/oder Nein sagen
  • Sie haben Angst vor Kontrollverlust im Privaten oder in der Arbeit
  • Ihnen ist Anerkennung sehr wichtig, Sie haben aber eine Führungskraft oder ein Umfeld, das wenig wertschätzend ist
  • Sie vernachlässigen persönliche Kontakte in Stress-Situationen
  • Sie vernachlässigen Ihre Ernährung oder Sie wissen vielleicht gar nicht, was Ihr Körper braucht, damit er gut funktionieren kann.
  • In Ihrem Arbeitsumfeld wird ständig verändert, restrukturiert und optimiert und Ihre Tätigkeit gehört zu den bedrohten Spezies, z.B. IT, Fertigung, etc.

Viele der Faktoren kumulieren sich zunächst unbemerkt. In der ersten Zeit werden sie vermutlich überhaupt nicht bewusst wahrgenommen. Erst wenn der Zustand über längere Zeit anhält, wird es schwierig.


Aber was ist Burnout überhaupt?

Bei Burnout handelt es sich um einen lang anhaltenden Zustand von chronisch unbewältigtem Stress, bei dem die eigene Erholungsfähigkeit immer mehr abnimmt. Betroffene haben permanent das Gefühl, ihren Anforderungen nicht mehr genügen zu können. Ein dauerhafter körperlicher und emotionaler Erschöpfungszustand ist die Folge.

Die klinische Hauptdiagnose ist nicht Burnout. Burnout ist keine anerkannte Krankheit, sondern wird meist als zusätzliches Kriterium zu Diagnosen aufgeführt.

Diagnostiziert wird dann meist Depression, depressive Episode, chronische Schmerzerkrankung, Belastungsstörung, Anpassungsstörung oder Anderes. Burnout beschreibt dabei nur den Entwicklungsprozess der zu der eigentlichen Erkrankung geführt hat.

Wie Burnout genau verläuft können Sie an anderer Stelle detailliert nachlesen. Hierzu werden häufig Modelle in 4, 6 oder 10 Stufen verwendet.

Leider können solche Modelle nur eine Orientierung geben. Beruhigen sollten sie einen nicht, und man sollte sich auch nicht darauf verlassen, dass die eigene Psyche sich daran hält. Leider ist der Verlauf auch oft nicht-linear. Der Körper schaltet innerlich chemische Prozesse ab, die den Körper bis dahin unter Stress und hohem Adrenalin am Laufen gehalten haben.

Das sind die Momente, wo Menschen es nicht mehr schaffen nach Hause zu fahren und abgeholt werden müssen, um danach erstmal längere Zeit eine vollständige Auszeit und externe Hilfe benötigen.


Was kann ich also tun?

Gute “Ratgeber”, Tipps von Freunden, Blogs, Burnout-Portale für Betroffene und günstige Bücher gibt es viele.

Was hilft, liegt eigentlich auf der Hand und das wissen Sie vermutlich auch selber: Pflegen Sie Sozialkontakte, üben Sie Hobbies aus, achten Sie auf ausreichend Erholungsphasen, Ernähren Sie sich gut, treiben Sie Sport, seien Sie achtsam mit sich und Ihrem Körper, Entspannen Sie sich, …

Das hört sich leicht an, ist es aber nicht. Persönliche Veränderung braucht viel Kraft und gerade in Krisenzeiten scheint diese sowieso schon am Limit. Es ist aber wichtig die Veränderung zu beginnen. Kleine Schritte können helfen das Gefühl zurück zu bekommen, wieder selber steuern zu können. Entscheidungen sind wichtig, um aus den unendlichen Grübel-Schleifen zu entkommen. Und beginnen Sie mit kleinen Schritten, damit Sie diese auch wirklich durchhalten können und sich nicht zusätzlich überfordern. Ein Sparringspartner kann hilfreich sein, um neue Muster auszuprägen. Das muss kein Coach oder Therapeut sein. Vielleicht reicht auch ein guter Freund, ein anderer betroffener Trennungsvater.

Olaf Lemgen bietet in Nürnberg Coaching und Psychotherapie an. Er hat sich auf den Umgang mit Stress und die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen spezialisiert.

Sie können das Thema wie immer auf der Väter-Netzwerk Facebookseite mitdiskutieren.

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